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Museum

Museum für Vor- und Frühgeschichte
(archäologische Sammlung a.d. Mittleren Alz) betreut vom Heimatbund Garching a. d. Alz

Nikolausstraße (am Rathaus)
www.heimatbund-garching.de

Fabrikarbeiterwohnung der Werkssiedlung aus der Zeit um 1925

Öffnungszeiten
von April bis einschließlich Oktober jeden 1. und 3. Sonntag im Monat von 10.00 - 12.00 Uhr und 14.00 - 17.00 Uhr oder nach Vereinbarung über Herrn Richard Demmel, Tel. 08634/8434 oder Herrn Alfred Maurer, Tel. 08634/7228

Vor- und Frühgeschichte an der mittleren Alz

Garching an der Alz, das erst durch die Industrialisierung im 20. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blütezeit erlebte, war bis in das 19. Jahrhundert ein kleines Dorf. Vor 4000 Jahren erlebte die Garchinger Region schon einmal eine besondere Blüteperiode, die mit Unterbrechung rund 1000 Jahre dauerte. An diese große Vergangenheit von Garching und seinem Umland will die Ausstellung des Museums Garching erinnern. Für die Jungsteinzeit der Zeit nach 4500 v. Chr. liegen erstmals Hinweise auf eine ständige Besiedlung der Alztalregion um Garching vor. Es sind dies Steinäxte von verschiedenen Plätzen. Die Böden im Alztal besitzen nur mäßige Qualität und sind daher für Ackerbauern nicht besonders anziehend. Somit ist davon auszugehen, dass die Leute, die sich hier ansässig machten, nicht in erster Linie neue Acker- und Weidegründe suchten. Wichtiger dürfte die Kontrolle eines Handelsweges entlang des Alztales gewesen sein.

Museum Garching an der Alz

Während der Handelsweg entlang des Alztales für die Jungsteinzeit nur vermutet werden kann, befand sich dann seit der frühen Bronzezeit, d.h. rund zwei Jahrtausende später, mit Sicherheit auf dem Margarethenberg eine der wichtigsten Wegekontrollstationen Südbayerns. Hier führte seit dem späten 3. Jahrtausend v. Chr. eine der Haupthandelsrouten vorbei, die die Bronze-Produktionsstätten im Nordalpenraum mit den Absatzgebieten in der Donauregion bei Straubing verband. Entsprechend der bekannten „Bernsteinstraße“ könnte man hier von einer „Bronzestraße“ sprechen. Von der damaligen Burganlage auf dem Margarethenberg, auf dem sich heute eine Kirche und ein Friedhof befinden, hat sich durch die Umgestaltung des Mittelalters und der Neuzeit zwar nichts mehr erhalten, doch belegen zahlreiche Funde, darunter zwei der außerordentlich seltenen Gußformen aus feinem Sandstein, die ehemalige Bedeutung dieses beherrschenden Platzes.

Lanzenspitze Bronze, ca 1000 v. Chr.
Lanzenspitze Bronze, ca 1000 v. Chr.

Von Hart a. d. Alz kennt man das Grab eines „Fürsten“ oder „Königs“ des 12. Jahrhunderts v. Chr., der einstmals der Herr der urnenfelderzeitlichen Burg auf dem Margarethenberg gewesen sein dürfte. Der hohe Stand des Verstorbenen zeigt sich darin, dass er mit seinem Repräsentationswagen verbrannt wurde, der mit zahlreichen Bronzeteilen verziert war. Weitere urnenfelderzeitliche Schwerter aus dem Garchinger Raum bezeugen Macht und Wohlstand der dortigen Oberschicht. Mit dem Aufkommen des Eisens am Ende der Urnenfelderzeit ging die Bedeutung des Bronze-Handelsweges über das Alztal sehr schnell zurück. Die Burg auf dem Margarethenberg verfiel. Kleine Landadelige, wie sie ein hallstattzeitliches „Häuptlingsgrab“ von Hart a. d. Alz für das 8.-6. Jahrhundert v. Chr. bzw. ein frühlaténezeitliches von Höresham für das 5. Jahrhundert kennzeichnen, waren nun die Führungsschicht der bäuerlichen Siedler.

Radbeschläge, Küchengeräte, Urnen und verschmorte Bronzeteile aus dem Fürsten-Wagengrab Hart (ca. 1200 v. Chr.)
Radbeschläge, Küchengeräte, Urnen und verschmorte Bronzeteile aus dem Fürsten-Wagengrab Hart (ca. 1200 v. Chr.)

Bajuwarisches Reihengräberfeld Garching a. d. Alz

Bajuwarische Gürtelschnalle (ca. 500-600 n. Chr.)
Bajuwarische Gürtelschnalle (ca. 500-600 n. Chr.)

Nach der römischen Eroberung Süddeutschlands (15 v. Chr.) wurde der Garchinger Raum wie das Gebiet östlich des Inns der römischen Provinz Noricum zugeschlagen. In dieser Zeit führte hier wiederum in Nord-Süd-Richtung eine Verbindungsstraße vorbei. Auf diese Straße beziehen sich römische Gutshöfe bei Höresham und Lohen, Gde. Tacherting, von denen die Ausstellung ebenso Fundstücke zeigt wie vom römischen Innübergang bei Ehring. Nach Abzug der Römer um 500 n. Chr. wurde Garching und sein Umland im 6. Jahrhundert von Bajuwaren besiedelt. Kennzeichnende Funde jener Zeit zeigt das Museum aus dem frühmittelalterlichen Friedhof von Garching.

Im Jubiläumsjahr 2006 erfuhr die archäologische Dauerausstellung eine interessante Umgestaltung und Erweiterung. Nach erfolgter Restaurierung konnten Fundstücke aus dem sogenannten „Lidlfeld“ in die Ausstellung integriert werden und erlauben einen noch intensiveren Einblick in die historischen Vorgänge in und um Garching.

Fabrikarbeiterwohnung der Werkssiedlung aus der Zeit um 1925

Im Herbst 2012 beschlossen die Verantwortlichen im Heimatbund, eine Fabrikarbeiterwohnung der Werkssiedlung der damaligen "Bayrischen Kraftwerke AG" (BKW), später dann "Süddeutsche Kalkstickstoffwerke AG" (SKW), in die Zeit des Erstbezugs im Jahr 1923 zurückzubauen.

Der Eigentümer Reinhold Tann stellte die Wohnung an der Turnstraße 1 dem Heimatbund gegen einen symbolischen Mietpreis und Erstattung der Nebenkosten zur Verfügung.

Nach dem Befund der Kirchenmalermeisterin Katrin Lampersdorfer und mit fachlicher und finanzieller Unterstützung des staatlichen Denkmalschutzes begannen im Spätherbst 2012 die Rückbauarbeiten. Die oberste Farbschicht der Decken und Wände wurde abgeschabt. Malermeister und Heimatbundmitglied Franz Pfundstein sorgte für fachgerechte Ausbesserung von Schäden im Mauerwerk und übernahm die Ausmalung entsprechend der von Katrin Lampersdorfer festgestellten ursprünglichen Farbgebung. Auch die Fußböden wurden wieder hergerichtet: Die nachträglich verlegten Linoleumböden wurden entfernt und, mit Ausnahme der Wohnküche, die vorhandenen Böden freigelegt.

Dank der Anteilnahme vieler Garchinger konnte die Wohnung im Stil der zwanziger Jahre möbliert werden. Der wichtigste Grundsatz war: Autentisch bleiben! So stammen auch viele Ausstattungsgegenstände aus Altbeständen von Dachböden und Kellern der Siedlung.

Für die Alztalgemeinde ist die  gartenstädtische Werkssiedlung ein Denkmal ihrer Gründerzeit als Industriegemeinde: Eine sozial eingestellte Unternehmensleitung (Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Nikodem Caro als Generaldirektor und Königlicher Baurat Karl Janisch als verantwortlicher Baudirektor) schuf 165 für die damalige Zeit geradezu luxuriöse Wohnungen für Arbeiter, Angestellte und leitende Angestellte. Wie bereits 1917 in Piesteritz (heute Stadtteil von Wittenberg) plante Otto Rudolf Salvisberg, ein Architekt mit besten Verbindungen zur Berliner Oberschicht, diese gartenstädtische Werkssiedlung. Sie galt als eine der schönsten ihrer Art.  Abgerundet wurde diese soziale Großtat der BKW noch dadurch, dass selbst ein Schwimmbad, die Schule und später noch eine Turnhalle gebaut und der Gemeinde  zum Geschenk gemacht wurden.

Gewohnt haben in den Arbeiterwohnungen die Fabrikler, die am Karbidofen in Hart a. d. Alz eine gefährliche und harte Arbeit zu verrichten hatten. Sie schufen mit ihrem Fleiß die Grundlage für den heutigen relativen Wohlstand der Gemeinde im mittleren Alztal. Es entsprach keineswegs einer romantischen Nostalgiesehnsucht des Heimatbundes, diese Wohnung zurückzubauen, sondern es war der Respekt vor diesen großartigen Leistungen, denen hiermit ein Denkmal errichtet wurde.

Am 9. Mai 2014 war es dann soweit, dass anlässlich einer kleinen Eröffnungsfeier die geladenen Gäste (vorwiegend die fleißigen Helferinnen und Helfer der Renovierungsarbeiten) eintauchen konnten in die Welt der 20er Jahre. Zukünftige Besucher erwartet daneben auch noch eine Foto-Dokumentation zum Siedlungsbau und der Arbeitswelt in der Carbidfabrik zur damaligen Zeit.

Link zum Bericht des Regionalfernsehens:

http://www.rfo.de/mediathek/34130/Unterwegs_im_Inn_Salzach_Land.html
 

Öffungszeiten:
Geöffnet ist die Arbeiterwohnung zu besonderen Anlässen (z. B. Museumstag, Tag des offenen Denkmals) und darüber hinaus bei Bedarf für Gruppen nach vorheriger telefonischer Anfrage (Helmut Meisl  08634-8158 / Irmgard Schwarzenböck 08634-7675 / Peter Wolfmeier 08634-66065) oder Kontaktmail info@heimatbund-garching.de.

Interessierte Besucher können mit Hilfe eines aufliegenden Flyers auf eigene Faust (auf Wunsch auch mit Führung) bei einem Gartenspaziergang den besonderen Charme der Siedlung kennenlernen. 

Adresse der Fabrikarbeiterwohnung:
Turnstraße 1

 

heimatbund-garching.de

Danke - Fabrikarbeiterwohnung
Wohnküche
Wohnküche
Wohnküche
Wohnküche
Schlafzimmer Eltern
Schlafzimmer Eltern
Kinderzimmer
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